Ostfriesischer Kurier 08.08.2003

 

 

Peter Lienau, Leiter der Seehundstation (rechts), begrüßt Ministerpräsident Christian Wulff (2. v. rechts).

Mit dabei: Wolfgang Ontijd (CDU-MdL) und Bürgermeisterin Barbara Schlag.       foto: martens

 

Wulff: Seehundaufzuchtstation

kann Highlight im Land werden
 

Ministerpräsident informiert sich über Ausbaupläne - Neuer Isolierbereich geplant

 

Norddeich soll Umweltzentrum werden. Mehr Platz für Besucher.

 

Norden-Norddeich/ma

 

„Papa, warum stehen denn da die Kameras?" „Da kommt gleich der Ministerpräsident, und den wollen die filmen."

Nur wenige Besucher der Seehundaufzucht- und Forschungsstation bekamen gestern Mittag mit, dass sich der

niedersächsische Ministerpräsident in der Station aufhielt. Wulff war auf Einladung des Stationsleiters Peter Lienau gekommen,

um sich über die geplanten Umbau- beziehungsweise Erweiterungspläne der Einrichtung zu informieren.

Wie berichtet, platzt die Seehundaufzuchtstation   inzwischen aus allen Nähten.  Es wird dringend eine geeignete

Quarantänestation benötigt. Zudem soll der Vogelauffangbereich ausgelagert und vergrößert werden.

Aus diesem Grund hat der Verein zur Erforschung und Erhaltung des Seehundes vor Monaten 2,4 Hektar des

insgesamt 34 Hektar großen Geländes der ehemaligen Sendefunkstelle Osterloog sowie das dortige Gebäude gekauft.

Dort sollen sowohl die Vogelpflege- als auch die Isolierstation eingerichtet werden. Ferner ist geplant, hier ein

Schulungszentrum für Wattenjagdaufseher und für ehrenamtliche Mitarbeiter, die im Falle einer Ölkatastrophe

eingesetzt werden müssten, zu schaffen. „Wir sind derzeit in der Planungs- und Finanzierungsphase", sagte Lienau gestern.

   

Naturnahe Gestaltung

 

In Norddeich soll anschließend der komplette Beckenbereich naturnah umgestaltet werden, wobei ein großes

Becken in eine Dünenlandschaft eingebettet wird. Daneben soll mehr Platz für die Besucher sowie ein neuer

Eingangsbereich und ein separater Vortragsraum geschaffen werden. Auf diese Weise soll hier in Kooperation mit

dem Nationalparkzentrum eine Umweltbildungseinrichtung entstehen, in der die Besucher über die Natur/das

Wattenmeer an sich und über das richtige Verhalten dort aufgeklärt werden können.


„Heute scheint die Sonne, da sind nur wenige Besucher hier, aber bei Regentagen ist das Gebäude viel zu klein",

betonte der Stationsleiter und berichtete von durchschnittlich 3000 Besuchern im Jahr. „Wir brauchen eine gute

Quarantänestation, um bei einem neuen Ausbruch der Seehund-Staupe die richtigen Maßnahmen ergreifen

und gezielt untersuchen zu können", erläuterte er. Dies gelte auch für den Vogelauffangbereich.

„Wir fordern noch nichts, Herr Wulff, aber Sie sollen sich hier heute einen eigenen Eindruck verschaffen", sagte Lienau.

Das tat der Landesvater, der übrigens nicht zum ersten Mal in der Station war. Deshalb ließ er es sich auch diesmal nicht

nehmen, die Seehunde selbst mit Fisch zu füttern. Das Urlaubsland Niedersachsen sei ein Bundesland, in dem man im

Winter Ski fahren und im Sommer im Meer baden könne. Zudem habe es das einzigartige Wattenmeergebiet.

Es sei wichtig, dass das Land ein so attraktives Angebot vorhalte, dass ein ganzjähriger Tourismus möglich werde. Die

Seehundaufzuchtstation könne dabei ein wesentliches Highlight sein. „Wir haben viele interessante Bereiche und Einrichtungen

in unserem Land, und damit müssen wir mehr wuchern", betonte Wulff.

Anschließend besichtigte der Ministerpräsident mit Peter Lienau sowie mit Vertretern des Vereins, der Landesjägerschaft und

der Politik sowie mit Landrat Walter Theuerkauf und Bürgermeisterin Barbara Schlag das Gebäude in Osterloog.

Dort bat Lienau Wulff noch einmal, seine politischen Möglichkeiten auszuschöpfen beziehungsweise seine

Kontakte zu Stiftungen und anderen Institutionen zu nutzen, um für eine Förderung der Stationspläne zu werben.

 

Seehundstation

Die Seehundaufzucht- und Forschungsstation in Norddeich ist 1971 gegründet worden.

Sie betreut das niedersächsische Küstengebiet (vom Dollart bis nach Cuxhaven) -

also das niedersächsische Wattenmeergebiet.

Gleichzeitig ist sie Vogelpflege- und -auffangstation.